Projekt : Mein Lehrer![]()
Projektbeschreibung![]()
Mein Lehrer - ein Projekt unter Beteiligung von Schülerinnen und Schülern unseres 7. Jahrgangs![]()
Mein Lehrer
Arbeitstitel
„Als Antipater von den Spartern fünfzig Kinder als Geiseln begehrte: so boten sie ihm an deren Statt hundert vornehme Männer an, ungleich den gewöhnlichen Erziehern, welche gerade das Opfer umkehren. Die Sparter dachten recht und groß. In der Kinderwelt steht die ganze Nachwelt vor uns, in die wir, wie Moses ins gelobte Land, nur schauen, nicht kommen."
aus Levana oder Erziehlehre, Jean Paul (1. Auflage 1807)
"Mit ebenso glücklichem Erfolg würden sich von der Schaubühne Irrtümer der Erziehung bekämpfen lassen: das Stück ist noch zu hoffen, wo dieses merkwürdige Thema behandelt wird. Keine Angelegenheit ist dem Staat durch ihre Folgen so wichtig als diese, und doch ist keine so preisgegeben, keine dem Wahne, dem Leichtsinn des Bürgers so uneingeschränkt anvertraut wie es diese ist. Nur die Schaubühne könnte die unglücklichen Schlachtopfer vernachlässigter Erziehung in rührenden, erschütternden Gemälden an ihm vorüberführen."
aus Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet,
Friedrich Schiller, 1784
1. DER GEDANKLICHE HINTERGRUND
Warum?
Deutschland 2006. Wieviel liegt dem deutschen Staat an seiner Jugend? Und wie zeigt sich dieses Verhältnis an den Schulen? Welche Erwartungen hat unsere Gesellschaft an einen Lehrer?
Er soll, gleich einem Superhelden, immer den rechten Ton treffen, ohne das Kind zu überfordern. Verunsicherte Eltern erwarten vom Lehrer, was sie selbst nicht geben können: allumfassendes Verständnis bei gleichzeitiger Strenge. Autorität soll er ausstrahlen, ohne autoritär zu sein.
Der Lehrer soll die nachfolgende Generation trimmen für ein Überleben im Kokurrenzdschungel. Das ihm anvertraute Humankapital soll gewinnbringend verwaltet, die Jugend fit gemacht werden für die Ich-AG. Man rechnet mit der Kompetenz des Pädagogen, den jungen Menschen für den individuellen Erfolg zu trainieren. Alle diese Begriffe, die momentan in der Bildungsdiskussion verwendet werden, kommen aus der Wirtschaft. Kein Wunder: Bildung ist ein Wirtschaftsfaktor. Einerseits.
Andererseits manifestiert sich im dreigliedrigen Bildungssystem die Abhängigkeit der Bildungschancen vom Vermögens- und/oder Bildungsstand der Eltern. Diese Wunde klafft weit. Wer auf der sozialen Skala unten ist, scheint vom Staat aussortiert und vergessen. Gefördert werden diejenigen mit den besseren Ausgangsbedingungen. (...)
Die Ausbildungsbetriebe stellen wenige Hauptschulabgänger ein. Sie können und wollen nicht leisten, wofür es keinen Dank gibt: Erziehungsarbeit. Wofür sollen diese jungen Menschen lernen? Und was kann ein Lehrer da vermitteln? Können die Pädagogen auffangen, was der Staat versäumt? Und selbst wenn sie wollten – wie soll das gelingen?
Supercastings preisen den Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär. Wunderheiler aus Ost und West versprechen Linderung bei Schmerzen der individuellen Desorientierung. Die Familienstrukturen brechen um, verheißen nicht mehr Sicherheit durch Beständigkeit. Die Dramaturgien der Lebensabläufe – sie haben sich geändert.
Die Schule könnte in all diesen Wirrnissen ein Ort der Orientierung sein. In unserer Zeit, wo junge Leute immer weniger gesellige Freizeitkontakte pflegen und viele Stunden vor den TV-Geräten oder den Computern verbringen, ist die Schule der wesentliche Ort, an dem sie Erlebnisse in einer Gemeinschaft teilen können. Doch aus dem Alltag hinter Schulhofmauern dringt selten etwas in die Öffentlichkeit. Amokläufe und Gewaltexzesse, reißerisch durch die Medien aufbereitet, rütteln kurzzeitig auf, verstören die Öffentlichkeit, ohne jedoch langfristig Spuren zu hinterlassen. Das tagtägliche Ringen der Pädagoginnen und Pädagogen, der Schülerinnen und Schüler um Lernerfolge, Lebenserfahrungen, um ein tolerantes und verlässliches Miteinander, es bleibt unentdeckt, undurchschaubar und wird auch in der Theaterkunst für ein junges Publikum nicht reflektiert. Die außerordentliche Errungenschaft unserer Demokratie, die jeder und jedem das gleiche Recht auf Bildung einräumt, scheint bei den Lehrenden und Lernenden gleichermaßen zur lästigen Pflicht verkommen. Um diesen Widersprüchen auf die Spur zu kommen, muss auch die Stimme der jungen Menschen gehört werden.
Die Unschuld der Jugend allein reicht nicht aus, die vielfältigen gesellschaftlichen Muster zu durchschauen. Selbstbewusstsein will gelernt sein, Souveränität geübt. Nur wer die Regeln kennt, kann sie brechen oder das Spiel mitspielen. Um unsere nachwachsende Generation nicht hilflos den Castingwölfen der Konsumdiktatur auszuliefern, benötigt sie ein Fundament. Dies könnte ihnen die Schule geben.
Das Herz der Schule ist der Lehrer. Seinem Bild in unserer Gesellschaft widmen wir uns.
2. KONZEPT – ABLAUF UND ZIEL
Was?
Wir entwickeln ein zweiteiliges Projekt zum Thema: das Bild des Lehrers in unserer Gesellschaft.
Die erste Phase des Projektes: Theater mit Schülern
Wir arbeiten in Berlin mit vier verschiedenen Gruppen von Jugendlichen. Dabei streben wir eine Zusammenarbeit mit allen Schultypen an, so dass es eine Gruppe mit Hauptschülern, eine mit Realschülern, eine Gruppe mit Gesamtschülern und eine mit Gymnasiasten geben wird.
In einer sich über 3 Monate ziehenden Arbeitsphase werden wir in den Schulen Szenen zum Thema „mein Lehrer“ erarbeiten. Den Abschluss bildet dann eine innerschulische Projektwoche, die mit der Präsentation der Theaterarbeit und weiterer Ergebnisse von Projekten zum Thema an den jeweils beteiligten Schulen ihren Höhepunkt finden wird. Am letzten Juniwochenende zeigen alle Gruppen ihre Aufführungen im Rahmen eines eintägigen Treffens, das in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg von Berlin stattfinden wird.
Das Schulprojekt ist ein in sich abgeschlossenes Vorhaben, das gleichzeitig als Recherche für die zweite Phase der künstlerischen Arbeit am Thema von elementarer Bedeutung ist.
Die zweite Projektphase: Stückentwicklung und Inszenierung
Sie umfasst die Entwicklung und Aufführung eines Theaterstückes durch das Schauspielensemble des Salon für angewandte Theaterkunst und einen Autor. Die Schauspieler haben bereits in den einzelnen Teams die Arbeit der Jugendlichen begleitet und beginnen mit den in den Schulen gewonnenen Einsichten nun die künstlerische Arbeit am Theaterstück. Die Schüler, die gerade noch selbst auf den Bühnen standen, sind eingeladen, die einzelne Probephasen als Paten der Inszenierung zu begleiten. Dabei können sie ihr Expertentum in Bezug auf die eigene Wirklichkeit und auf die soeben gewonnene eigene Spielerfahrung als beratende Partner der Künstler in die Arbeit an der Inszenierung einbringen.
Die recherchierten und erarbeiteten authentischen Erlebnisse, Eindrücke und Ausdrücke junger Menschen, ihre vielfältigen Beziehungen zu Mitschülern, Lehrerinnen und Lehrern im Schulalltag werden so von den Künstlern aufgehoben, aus ihren unmittelbaren Kontexten herausgelöst und zu einem Kunst-Werk verdichtet. Dabei entsteht zunächst ein neues Stück Theaterliteratur, das über die konkrete Situation hinausweist und andere Theater deutschlandweit zum Nachspielen und zur Auseinandersetzung auffordert.
Theater ist eine Kunst des Probehandelns. Sie kann und muss Gesellschaft beobachten, weiterdenken, entwerfen, erfinden und darin ihre Eigenständigkeit und ihren Wert behaupten.
Es ist eine künstlerische Herausforderung das Bild des Lehrers mit den Mitteln unserer Kunst zu erforschen, Entwürfe zu wagen und zu erproben und in der Aufführung vor jugendlichen und erwachsenen Zuschauern zur Diskussion zu stellen.
Wer?
Die Teams, die mit den Schülern arbeiten werden, bestehen aus: 1 Leiter/Leiterin, 2 AssistentInnen (Schauspieler des TheaterSalon). 2 Musiker, ein Bühnenbildner und ein Autor werden die Proben begleiten.
Die Leiter sind RegisseurInnen, die allesamt mit der Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen vertraut sind.
Das Schauspielensemble des Salon für angewandte Theaterkunst finden Sie im Anhang beschrieben.
Wo?
Die Probenarbeit für das Jugendprojekt findet an deren Schulen, das eintägige Treffen der Jugend in der Kulturbrauerei in der Pappelallee im Prenzauer Berg von Berlin statt.
Die Aufführungen des Salon für angewandte Theaterkunst werden zunächst in den Schulen gezeigt, anschließend soll auch diese Aufführung in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg von Berlin gezeigt werden.
Über Berlin hinaus wird die Aufführung am Forum Freies Theater, Düsseldorf und am Theater an der Sihl in Zürich gezeigt. Eine Tournee ist in Aussicht genommen und wird geplant, sobald die Finanzierung des Vorhabens gesichert ist.
Wozu?
Wir wollen die Stimmen der jungen Menschen in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. Unsere Unruhe setzt da ein, wo über die Problemlagen der Jugend gesprochen und geschrieben wird, ohne dass sie selbst zu Wort kommt. Schüler werden abgebildet, gar angeregt Bilder von Gewalt und Verzweiflung nachzustellen, damit die Medien diese Produkte vermarkten können.
Ein Dialog kann nur auf Augenhöhe stattfinden. Wir wollen den jungen Leuten ein Forum bieten, damit sie sich selbst sich zu Wort melden.
Die beteiligten Schüler erfahren in der Theaterarbeit, dass sie als Partner ernst genommen werden. Ihre Ängste und Hoffnungen, ihr Alltag und ihre Visionen werden sichtbar. Die Künstler stellen ihnen dafür ihr Handwerk und die Mittel des Theaters zur Verfügung. Im geschützten Raum, im theatralen „als ob“ werden Haltungen und Vorstellungen bewusst, können Visionen formuliert und gezeigt werden. Alternativen zu üblichen Handlungsmustern werden erkundet und erprobt. Dabei finden die Schüler Unterstützung und Ermutigung für ihren eigenen Ausdruck. Die Künstler, die an diesem Projekt mitarbeiten, wollen keine freundliche Beruhigungsarbeit leisten, sondern als Partner der jungen Leute gemeinsam mit ihnen um ein Niveau ringen, dass der Tiefe und Schärfe des Hoffens und Scheiterns angemessen ist.
Die Kunst halten wir für not-wendig, den Gegenstand des Alltags zu erhöhen. „Mach einen Song aus Deinem Zorn,“ könnte der Musiklehrer vom Schüler fordern und würde ihm so eine Möglichkeit zeigen, dem tobenden Widerstand einen Ausdruck zu geben. Die Kunst hat Formen und ist Regeln unterworfen, die es einzuhalten gilt oder zu brechen. Innerhalb der Form ist es möglich auf einer Metaebene zu handeln. Der Gegenstand wird so nach innen und nach außen klarer. Aus der passiven Rolle wird eine aktive, wird eine Befähigung denkend und handelnd in die Welt einzugreifen.
Das Theaterstück der professionellen Künstler des Salon für angewandte Theaterkunst, das auf der Grundlage der Recherche mit den Jugendlichen entstehen wird, bringen wir zurück an die Schulen und zeigen es in Berlin und überregional an verschiedenen Theatern. Das Stück wird während der Probephase anhand von Thesen entwickelt, die sich in der Arbeit mit der Jugend und deren Lehrern entwickeln. Videointerviews mit vielen Lehrern, regional und überregional werden zusätzlich stattfinden.
Der Autor Holger Franke begleitet die Proben. Es ist geplant, dass in mehreren Abschnitten probiert wird, dass der Autor die entstandenen Texte bearbeiten und mit seiner eigenen und eigenwilligen Sicht zu einem Stück verdichten wird. Diese Methode erscheint uns umso sinnvoller, da die Künstler gerade aus der Arbeit mit den Jugendlichen kommen und deren aktuelle Weltsicht nun mit den Mitteln des Theaters untersuchen werden.
Beide Teile des Projektes können für sich allein stehen und sind als in sich abgeschlossene Vorhaben gültig.
Wir verstehen die Kunst als ein Mittel die gesellschaftlichen Verhältnisse besser zu durchschauen und als veränderbar zu begreifen und zu zeigen. Die Arbeitsweise entspricht dem Inhalt und der Absicht unserer Aufführung.
Erwartete Ergebnisse
Es entstehen 4 von Schülern entwickelte und von einem Autor geschriebene Szenen oder Stücke für das Theater mit jungen Leuten
Das eintägige Theatertreffen wird eine Plattform für die Initialisierung des Dialogs zwischen Jugend und Gesellschaft zum Thema Bildung und Schule.
Es entsteht ein Theaterstück für das professionelle Theater zu einem Thema, das in der Kunst kaum reflektiert wird.
Das Recherchematerial wird in einer Dokumentation aufgearbeitet und steht so für die Nachnutzung andernorts zur Verfügung.
Das gesamte Projekt hat Modellcharakter.
3. THEATERSTÜCK DES SALON FÜR ANGEWANDTE THEATERKUNSTSalon für angewandte Theaterkunst Salon für a Salon fngewandte Theaterkunst
Zur Dramaturgie
Das Theaterstück wird auf der Basis des beschriebenen Jugendprojektes entwickelt. Unsere These zur Dramaturgie des Stückes lässt sich im Moment folgendermaßen beschreiben:
Ein Lehrer tritt den Unterricht an, tritt an, den Stoff zu vermitteln und das Menschenbild zu formen, auch im Interesse der Gesellschaft. Was kann er ausrichten? Wie kann er glaubwürdig sein, sich selbst, den Schülern gegenüber?
Wir zeigen sein tägliches Geschäft. Was tut er? Sein Handeln ist in eine Struktur gezwängt. Es muss ihm gelingen, seine Autorität zu wahren. Er hat zu zensieren, zu bewerten. Zur Verfügung stehen ihm der Unterrichtsstoff und sein pädagogisch methodisches Instrumentarium.
Welche Wege geht er? Aus welcher Position heraus unterrichtet er? Möglicherweise ist er gütig. Oder er appelliert an den Menschenverstand, vielleicht verführt er, lockt, straft, diskriminiert, mobbt, spielt aus, ist autoritär, überrascht seine Schüler oder resigniert. Wie kommt was beim Lernenden an?
Wir zeigen die ganze Palette des Experimentierfeldes: die Versuche, das Scheitern, den Erfolg. Das kann lustig werden oder bitter.
Mit kräftigen sinnlichen Bildern und zugespitzten Situationen wollen wir dem großen Thema gerecht werden: wer bildet und mit welchem Handwerk die nachfolgende Generation? Und wozu wird sie ausgebildet? Für die Arbeitslosigkeit?
„... Was wir brauchen, ist eine Revolutionierung dieser Vorstellungen und Begriffe, weil sie alle nicht mehr stimmen. Ich wende mich dagegen, dass der Lehrer dem Entwicklungsprozess gegenüber nur Zuschauer ist. ...“ So Joseph Beuys in einem Gespräch mit dem Maler und Hochschulprofessor Siegfried Neuenhausen. Beuys spricht über das Künstlerische, dass überall wirksam werden muss, in jedem schulischen Fach. Er ist der Ansicht, dass die Mittel der Kunst dem Lehrer zur Verfügung stehen müssten. Mit dem Handwerkszeug und der Weltsicht der Künstler ausgestattet, könnte die Arbeit des Lehrers sinnvoller werden, meint Beuys. Ist das 30 Jahre später gültig, gar umgesetzt? Worum ringen tagtäglich die Lehrer? Worum die Schüler? Ist das Wissen, das in der Schule verhandelt wird nützlich für die sich ändernde Lebenswelt? Gelten die humanistischen Ideale des vergangenen Jahrhunderts?
Die Arbeit des Theaterschaffenden ist der des Lehrers verwandt, auch wenn der Lehrer keinen Podest mehr hat. Beide ringen um Inhalt und Form des Stoffes. Beide sind existenziell auf den Kontakt mit dem Zuschauer angewiesen. Beide müssen den Ton treffen, ihr Anliegen plastisch vermittelbar machen. Und keineswegs dürfen sie ihr Gegenüber unterschätzen. „Ich glaube,“ sagt Joseph Beuys in dem zuvor zitierten Gespräch, „die Kinder verachten den Lehrer regelrecht, weil er zuwenig fordert.“
Weitere Ideen
Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch kein Stück, das beschrieben werden kann. Wohl aber können wir Themenfelder markieren, Bilder beschreiben, Material auflisten:
Sich die Haare ausreißen vor Trauer oder Wut, die eigene Kleidung zerfetzen, sich klagend gegen die Brust schlagen... diese Bilder kommen uns in den Sinn, wenn wir die Medienberichte über Gewalt an den Schulen verfolgen. Die Jugendlichen zerstören aus Ohnmacht ihre Zukunft – symbolisiert durch den Ort, dessen Besuch sie stärken und unterstützen könnte: die Schule.
„In einer Gesellschaft, in der Oben und Unten auseinander driften und Eltern ihre Kinder nicht mehr erziehen, eskaliert die Gewalt.“ So untertitelt der Spiegel vom 3.4.2006 seinen Artikel „Die verlorene Welt“. Thema des Artikels sind die Hilferufe der Lehrerschaften mehrerer Berliner Hauptschulen.
Nachdem der Brandbrief des Kollegiums der Neuköllner Rütlihauptschule im März 2006 die Republik schockiert hat, wird Helmut Hochschild zum neuen kommissarischen Rektor dieser Schule berufen. Die Berliner Zeitung bringt diese Nachricht am 5.4.2006 auf Seite 3, dahin schaffen es kaum Meldungen über Schulen, über Lehrer. Die Fotografie ist von unten aufgenommen, die Perspektive lässt hoffen. So wird sonst Supermann abgebildet oder Jesus Christus.
Ein Lehrer wird geehrt. Bekommt eine hohe staatliche Auszeichnung für seine exzellente pädagogische Arbeit. Vor der Würdigung fand ein Gespräch mit einem Staatsbeamten statt. Der sprach aus, was der Lehrer selbst empfand: solche Menschen wie er werden gebraucht. Jeder Königshof hat seine Narren, das System kann mit Kritik fertig werden, benötigt sie sogar, um sich seiner selbst zu versichern. In diesem Sinne, sprach der Staatsdiener, habe auch er sich für die Ehrung des eher unliebsamen Mannes ausgesprochen, wenngleich persönlich... Er verachte ihn.
Eine Parabel: Coyote ruft alle Tiere zusammen und sagt: „Etwas fehlt noch in der Welt. Wir wollen den Menschen machen.“ Jedes Tier nimmt ein Stück Lehm und formt den Menschen. Einer nach dem anderen tritt vor, sein Modell zu verteidigen. Als erstes findet Löwe, der Mensch brauche eine laute Stimme und müsse ganz und gar von Haaren bedeckt sein. Hase ist sicher, der Mensch müsse schnell laufen können. Schnecke meint, er benötige dringend sensible Fühler. Und Schildkröte ist überzeugt, er würde ohne einen Panzer nicht überleben können.
Als die Reihe an Coyote kommt, sagt er, dies alles seien törichte Reden. Ihm seien fast die Augen zugefallen vor Langeweile. Nur der Zorn über soviel Dummheit und Unverstand habe ihn munter gehalten. Was ihn betreffe, so wisse er genau, dass er nicht das Beste aller Tiere sei, dass man also ein Wesen schaffen müsse, besser als er und die anderen. Eine laute Stimme, wie Löwe sie habe, sei schon angebracht, der Mensch müsse ja nicht ständig brüllen. Er habe gehört, dass Bär ganz zufrieden sei, keinen Schwanz zu haben, das erscheine ihm auch sinnvoll.
Den Fisch habe er immer um seine Nacktheit beneidet, denn ihm, dem Coyoten, sei sein Haar die längste Zeit des Jahres eine Last. So nimmt er von allen, was ihm gut gefällt, und am Ende sagt er: „Alle gehen doch hoffentlich mit mir einig, dass ich das klügste aller Tiere bin. Ich wäre euch deshalb verbunden, wenn der Mensch in dieser Hinsicht mir gleicht, er also auch schlau und gerissen wäre.“
Ein Riesengeschrei. Die Tiere können sich nicht einigen. Da es schon spät in der Nacht ist und sie lange beraten haben, schlafen nach einer Weile alle erschöpft ein. Nur Coyote bleibt wach, pisst auf die Entwürfe der anderen – und der Mensch wird so gemacht, wie Coyote es wollte.
Eine Schlägerei auf dem Schulhof. Der Lehrer will argumentieren, er wird zusammengeschlagen.
Berufsberatung. „Ich will Harz IV werden,“ sagt ein Schüler.
Zur Ästhetik/ zur Spielweise
Raum
Im Moment können wir uns den Raum so vorstellen:
Es gibt einen Boden, der ist halbrund, und aus Holz. Das ist schön stabil und ergibt einen Klang beim Auftreten. Dahinein kann man ein Muster fräsen und bemalen, so dass ein Steincharakter entsteht (durch das Muster sind auch leicht Teilungen möglich, für Transport etc.).
Es gibt ein strahlenförmiges, auf den Mittelpunkt konzentriertes Muster, mit eingefrästen lateinischen oder deutschen Schriftzügen, die so schwer zu lesen sind wie in manchen sakralen Taufschalen oder runden Denkmälern, man weiß nicht, wo es anfängt und aufhört.
Es könnte ringsherum ein paar Bänke geben. Das Ganze sollte so aussehen, dass nicht zu erkennen ist, ob man sich draußen auf einem Platz befindet oder drinnen in einer Halle, wo nur die Wände fehlen.
Der Boden könnte nach außen hin zur Peripherie kaputt gehen, so dass er am Rand ausgefranst erscheint, als ob Teile fehlen.
Die Spielfläche hält die Assoziation bereit, dass wir uns auf dem Boden der Vergangenheit bewegen. Wir existieren nicht losgelöst von unseren Wurzeln. Die Kenntnis der Geschichte ist ein wesentlicher Lehrinhalt der Schule.
Der Holzboden ermöglicht eine Versinnlichung des Auftretens – das Schuhwerk ist entscheidend. Der Leisetreter geht auf anderen Sohlen als einer, der mit festem Schritt durchs Leben läuft.
Das bietet zahlreiche rhythmische, klangliche und spielerische Möglichkeiten.
Sprache
Wir suchen einen sprachlichen Grundgestus, der je nach dem Charakter der Szene und ihrem Milieu variiert. Ein Monolog wird sprachlich anders behandelt als die Parabel, die Erzählung oder eine Situation im Lehrerzimmer.
Die Überhöhung verfremdet die Sprache, macht sie zum Spielzeug, das genussvoll neu oder anders benutzt werden kann.
Musik
Die Versinnlichung des Auftritts, die ein klingender Boden bietet, gibt der Inszenierung einen Schub in die Musikalität.
Philipp Danzeisen wird ausgehend vom Rhythmus der Schritte und der Sprache eine Musik erarbeiten. Alle Klänge werden live erzeugt.
Spielweise
Um zu versinnbildlichen, welche Methode wir vorziehen, seien zwei bekannte Hitlerdarstellungen zitiert: bei der einen handelt es sich um den jüngst erfolgreichen deutschen Spielfilm „Der Untergang“. Über dessen Hauptdarsteller Bruno Ganz war in einer Kritik zu lesen, dass er, hätte er den Oscar gewonnen, vermutlich Polen annektiert hätte. Wir ziehen die Charlie Chaplins Methode vor, der in seinem Film „Der große Diktator“ mehr tut, als die menschliche Seite Hitlers zu zeigen: er bringt seine Zuschauer durch Lachen zur Erkenntnis.
Offen wird gespielt. Wir suchen den intelligenter Witz, Tiefe, das Streben nach konventioneller Unwahrscheinlichkeit, die Überwindung des Alltagsleben im Alltagsleben.
Die Kooperationspartner
Das Theater an der Sihl in Zürich stellt zwei der Schauspieler für das Theaterstück und bezahlt sie während der Probenzeit.
Das Forum Freies Theater Düsseldorf führt zeitgleich zum Jugendprojekt nach unserem Konzept ein eigenes Jugendprojekt durch. Ein gemeinsames Festival am Ende der Spielzeit ist in Planung.
Zum Beginn der neuen Spielzeit (Herbst 2007/2008) sollen vier Vorstellungen des Theaterstücks in Düsseldorf am Forum Freies Theater gespielt werden.
SALON FÜR ANGEWANDTE THEATERKUNST
PRODUKTION
LIORA HILB, Schauspielerin und Theaterpädagogin. Ausbildung in Bologna. Deutscher Filmpreis für American Beauty Ltd. (Berlin 1990), Doberstein/Spielfilm ZDF (1992), 1994-2001 Theaterschule für Kinder und Jugendliche in Frankfurt, Theaterprojekte zum Themenbereich Jugend und Gewalt (1995), Schauspiel u.a. WIE KATER ZORBAS DER KLEINEN MÖWE DAS FLIEGEN BEIBRACHTE (2002), LENCHENS GEHEIMNIS (2003).
Management/Tourplanung vom Theater La Senty Menti.
REGIE/IDEE
ANIA MICHAELIS, 1965 in Westfalen geboren
PROJEKTENTWICKLUNG Regisseurin, Schauspielerin und Autorin
Engagements u.a.: am Schauspielhaus Köln, am Westfälischen Landestheater; jahrelange Zusammenarbeit mit dem Theater o.N. (Zinnober) in Berlin
Schauspiel u.a. REINEKE FUCHS (Theaterfestival Impulse 97/ Reich und Berühmt 98), KÖNIG LINDWURM (Starke Stücke 02, nominiert für Traumspiele 03).
Inszenierungen u.a. SALZWASSER, DAS MUSCHELESSEN (erster Preis der Heidelberger Theatertage 2002), DAS GLÜCK WIE DAS PECH (Frankfurt, 2004), DER UNBEKANNTE BRUDER GRIMM (Berlin, 2004), BLAU ÜBERMALT (Dresden, Berlin 2005)
DRAMATURGIE/IDEE
CHRISTEL HOFFMANN, Dr. Phil., Professorin h.c. an der Fachhochschule Osnabrück, Institut für Theaterwissenschaften. Studium der Theaterwissenschaft in Leipzig, 1956-60 Dramaturgin an den Städtischen Bühnen Leipzig, 1963-79 Chefdramaturgin am Theater der Freundschaft in Berlin, 1973 Dissertation "Theater für junge Zuschauer" an der Humboldt-Universität Berlin, 1979-86 Fachmethodikerin für Darstellende Kunst am Pionierpalast Berlin, 1986-90 wissenschaftliche Mitarbeiterin der ASSITEJ-DDR, von 1990 bis 2001 im Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der BRD
Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. DIE BRETTER SIND, DIE PFOSTEN AUFGESCHLAGEN, eine Theatergeschichte von Aischylos bis Brecht für Kinder
DRAMATURGIE
ANNETT ISRAEL, 1963 in Sachsen geboren, Studium der
JUGENDPROJEKT Theaterwissenschaften in Leipzig
Assistenzen und Gastdramaturgien am Tanz-theater, u.a. an der Komischen Oper Berlin, Semperoper Dresden und Deutsches Nationaltheater Weimar,
1989-1992 Dramaturgin am Kleist-Theater Frankfurt/Oder, enge Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Kriegenburg, 1992-1996 wiss. Projektmitarbeiterin im Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland, 1996- 2001 freischaffende Dramaturgin und Publizistin und Projektmitarbeit, 1998 Stipendiatin der Stiftung Kulturfonds im Bereich Darstellende Kunst, seit Ende 2001 Mitarbeiterin im Kinder- und Jugendtheaterzentrum Deutschland.
AUTOR
HOLGER FRANKE, Jahrgang 1942, Theater- und Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler, Gründer des Theaters Rote Grütze
Stücke: WAS HEISST HIER LIEBE (125 Nachinszenierungen, Kinoverfilmung 1978), DARÜBER SPRICHT MAN NICHT, GEWALT IM SPIEL, MENSCH, ICH LIEB DICH DOCH (Fernsehverfilmung 1980), MENSCH HERRMANN (Fernsehauszeichnung 1983), Coautor des Kinofilms von Dany Levy: ALLES AUF ZUCKER (Deutscher Filmpreis, u.a. für bestes Drehbuch und für den besten Film, Juli 2005)
BÜHNE
N.N.
KOSTÜME
ANKE LENZ, 1966 in Neubrandenburg geboren
Herren- und Damenschneidermeisterin, Gewandmeisterin
Modellanfertigung und Maßanfertigung Jugendmode
Kostümschneiderin an der Staatsoper Berlin für Oper und Ballett, Leiterin der Kostümabteilung im Kammertheater im Schauspielhaus Neubrandenburg
Seit 2002 freischaffend u.a. für: Berliner Ensemble, Theater des Lachens, Theater Maskotte
MUSIK
PHILIPP DANZEISEN (1968 geboren), studierte Schlagzeug an der New School University New York. Bühnenmusiken u.a. für Einar Schleef am Schauspiel Frankfurt, für Jan Fabre am TAT Frankfurt, für William Forsythe am Ballett Frankfurt, für Tom Kühnel an der Schaubühne Berlin; für Astrid Griesbach in den Sophiensaelen, diverse eigene musiktheatralische Projekte
TECHNIK
ACT- MEDIA – SUPPORT
JUGENDPROJEKT
Anna-Siemsen-Oberschule, Neukölln
mit Maike Plath (Lehrerin für Darstellendes Spiel)
Kurt-Schwitters Gesamtschule, Prenzlauer Berg
mit Simone Neubauer (Theaterpädagogin/Regiosseurin)
SPIELER/INNEN JUDICA ALBRECHT (1972 geboren)
Gründerin Junges Theater Bremen;
Lubricat Berlin; arbeitet freischaffend u.a. in Produktionen wie: twenty minutes im Theater am Halleschen Ufer; Durchgehend geöffnet in den Sophiensaelen; täglich brot im Theaterhaus Jena; freischaffend in Berlin u. a. bei lubricat, Nico and the Navigators, Hans-Werner Kroesinger, Stadttheater Aachen
GERD BEYER (1965 geboren)
Ausbildung: Musikhochschule Dresden, Bassist;
Hochschule für Musik und Theater "Hans Otto", Leipzig
Engagements (Auszug): Staatstheater Dresden; Staatstheater Schwerin; Städtische Bühnen Nürnberg; Chemnitz; Erlangen; Plauen; Zwickau; freischaffend in Berlin; Landestheater Dresden
Patricia Christmann, geboren 1972 im deutschsprachigen Landesteil von Belgien. Mitwirkung in diversen Theatergruppen der Off-Szene in Bochum, Dortmund und Bielefeld. Ausbildung zur Puppenspielerin an der Hochschule für Schauspiel „Ernst Busch“, Berlin
Zusammenarbeit u.a. mit Jörg Pataki, Deutsches Theater Berlin, Luzerner Theater; mit Astrid Griesbach, Theater des Lachens Berlin; am Theatre National de Bordeaux; eigene Produktionen waren an der Schaubude Berlin zu sehen.
Stephan Korves , geboren 1963 in Witten an der Ruhr. Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Theaterarbeiten u. a. mit Gabor Zsambeki und Gabor Szekely am Theater tri-bühne Stuttgart. Lebt seit 1998 als freischaffender Schauspieler in Berlin. Neben zahlreichen Fernsehauftritten wirkte er in Produktionen des Theater 89, der Deutschen Oper Berlin und des Maxim Gorki Theater Berlin und des Deutschen Theaters Berlin mit.
Ulrike Monecke, 1966 in Gera geboren. Von 1988 bis 1992 Puppenspiel-Studium an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin. Lebt als freischaffende Schauspielerin in Berlin. Langjähriges Mitglied des Theater o. N.
Minouche Petrusch, geboren 1976 in Hamburg. 2001 Abschluss am Europäischen Theaterinstitut Berlin. Langjährige Zusammenarbeit mit Astrid Griesbach am Theater Wismar und beim Theater des Lachens Berlin, Mitwirkung bei „female line“ in Anja Gronaus „Lunaris“ am HAU. Außerdem Sängerin der Band EMOU.
2 SCHAUSPIELSTUDENTINNEN des Theater an der Sihl, Zürich


